A.M. Arimont: Das Flüstern des Teufels
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Rezension: Das Flüstern des Teufels – A.M. Arimont

 

Ketchum, Arimont und der Gartenschlauch.

Großer Gott, warum hat keiner etwas getan?

[Werbung, unbezahlt]

 

 

Das Flüstern des Teufels von A.M. Arimont habe ich als signiertes Taschenbuch bei einer Verlosung von Redrum Books gewonnen. Es ist Teil der Verlagsreihe “Redrum Cuts”, welche Kurzausgaben, meist so 120 – 160 Seiten, von Extremliteratur deutschsprachiger Autoren wie A.M. Arimont, DER Baukowski, Simone Trojan, und viele andere umfasst.

 

Wenn Kinder das Flüstern hören…

A.M. Arimont: Das Flüstern des Teufels

Als ich zu lesen begann, musste ich gleich an meine eigene Kindheit denken, seltsamerweise zuerst an meinen kleinen Bruder. Er ist der beste Bruder, den man sich wünschen kann. Allerdings hatte er es schon faustdick hinter den Ohren. Eine Geschichte werde ich niemals vergessen, zumal diese immer wieder, gerne auch an Weihnachten und Sylvester, die ganze Verwandtschaft erheitert.

Damals, im stolzen Alter von etwa vier Jahren, hatte er mit einem Gartenschlauch das Auto der Nachbarn unter Wasser gesetzt. Durch das geöffnete Seitenfenster natürlich, alles andere wäre Kindergarten. Fairerweise: Das musste er auch ganz dringend genau so tun, ihm blieb gar keine Wahl. Das zärtlich säuselnde Auto mit offenem Fenster, der verlockend zirpende grün-graue Gartenschlauch in dessen Nähe, und der Wunsch nach einem eigenen Pool haben es schließlich so herausgefordert. Na gut, der Nachbarjunge hatte ihm gesagt, er muss es tun, sonst ist er feig – vielleicht spielte das auch eine klitzekleine Rolle.

Ich selbst habe sowas natürlich nie getan. Wie auch? Ich war ja brav. Immer! Und schließlich kann man derartiges auch nicht mit unseren freundlichen Hinweisen vergleichen, wie z.B. nächtliche Klingelstreiche bei Rentnern, Sylvesterböller in Briefkästen und winterliche Eisflächen auf die Stufen vor fremden Haustüren zaubern. Das ist eine ganz andere Liga, mein Bruder war da schon der Profi von uns beiden. Jahre später, und mit der weisen Erfahrung und Einsicht eines Erwachsenen, kann man durchaus sagen, das Flüstern des Teufels hat alle Kinder im Griff – früher oder später in der einen oder anderen Form. Ja, auch uns.

 

Ich lese bei dem Buch immer den Vergleich zu Ketchum’s Evil.
A.M. Arimont: Das Flüstern des Teufels
A.M. Arimont: Das Flüstern des Teufels

Nun, was erwartet man von einem Psychothriller von A.M. Arimont, mit realem Vorbild, bei dem die Hauptprotagonisten von Kindern besetzt sind? Zwangsläufig denkt der erfahrene Literaturkenner dabei automatisch an Jack Ketchum’s Evil. Mir kommt dabei ein klares Jein in den Sinn. Warum? Wer Evil in Buchform zu sich genommen hat, kann sich bestimmt an Ruth erinnern. Die kranke und verdrehte Psyche dieser Frau war der Treiber für Taten, die man sich als braver Biene Maja-Leser, der wir nunmal ausnahmslos sind, nicht ansatzweise vorstellen kann. Wer einen Ruth-Ersatz in Das Flüstern des Teufels sucht, wird diesen nicht finden. Keine kranken mittjährigen Psychopathen, die unbändige Lust am Quälen anderer haben, keine blutgeilen Freaks, die Schmerzensschreie als Treibstoff für das fortführen ihrer Taten verwenden. Die Geschichte von A.M. Arimont ist anders.

Der für mich persönlich treffendste Vergleich von Das Flüstern des Teufels gelingt mit “Komm, wir spielen bei den Adams” von Mendal W. Johnson – dieses Pulp Legend aus dem Festa Verlag, das für mich Ketchum’s bekanntestes Werk in den Schatten stellt. Der essentielle Unterschied der beiden Stories liegt bei den Treibern der Taten – sowohl Johnson’s, als auch die Buch-Kinder von A.M. Arimont, sind die Ratten, die ihr Futter gnadenlos umkreisen. Lediglich den wahren Kern der Geschichte hat Das Flüstern des Teufels mit Evil gemein. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass Jack Ketchum’s Buch etwa 15 Jahre nach Johnson’s Komm, wir spielen bei den Adams erschien. Es liegt also nahe, dass der bekanntere der beiden von ersterem in gewisser Weise inspiriert wurde. Mein gedankliches Fazit hierzu: Die Geschichte von A.M. Arimont ist meiner Meinung nach eher am “Original” Mendal W. Johnson anzusiedeln.

 

Toller Lesefluss!

Locker, flockig und rockig. Das Flüstern des Teufels von A.M. Arimont lässt sich sehr gut und leicht lesen. Sein Schreibstil ist derart angenehm, dass ein Weglegen des Buches tatsächlich schwer fällt. Besonders gut hat er auch die Gedanken und Beweggründe der Kinder eingefangen. Ich erachte das als besonders schwer, da erstens Kinder in anderen Zusammenhängen und Worten denken, und zweitens ein erwachsener Leser dieses dementsprechend auch so wahrnehmen und nachvollziehen können sollte. Hier hat A.M. Arimont ganz klar seinen eigenen Auftrag sehr gut umgesetzt. 

 

Meine Meinung zu Das Flüstern des Teufels:

Zwei kleine Anmerkungen hierzu möchte ich allerdings noch loswerden. Die Geschichte hat grob 140 Seiten. Für meinen Geschmack war das etwas zu wenig. Dieses Buch hätte sich sehr gut etwas länger mit den Hintergründen, der Aufarbeitung und auch dem Basisgeschehen befassen können. Ich fand das schade, da die Story meiner Meinung nach etwas mehr Rahmen verdient hätte. Das macht allerdings das vorliegende Werk nicht schlechter, es ist für mich als Leser nur etwas traurig – so als ob das gute Dessert mit Sahne, Schokolade und Kirschen nur aus der Menge von drei Löffeln besteht.

A.M. Arimont: Das Flüstern des Teufels

Im Verlauf tauchen immer wieder kleine Hinweise auf, so in der Art: “Hätten wir nur vorher schon gewusst, dass genau das passieren wird”, oder “Wenn nur einer der ganzen Menschen, die uns gesehen haben,  …”. Diese Form der Führung durch das Geschehen ist in vielen Werken anzutreffen. Ich persönlich bin kein Fan davon, da es mir immer zuviel vorweg nimmt. Bei derartigem Ausblick fühle mich immer etwas gespoilert – andere wiederum lieben es (meiner einer definitiv nicht! Mir ist es lieber, wenn sich die Geschichte ohne derartige Hinweise aufbaut).

Diese Bausteine werte ich nicht, da das einfach eine Art ist, etwas zu Erzählen. Was ich allerdings gerne werten möchte ist die Tatsache, dass diese Sätze gefühlt sehr häufig vorkommen. Das wirkte gegen Ende ein kleines bisschen nervig beim Lesen. Ich dachte mir dann immer: Man! Sag doch endlich konkret, was passieren wird und deute es nicht nur so ausführlich an! 😀 Lediglich für die Häufigkeit, die sich durch die ganze Story zieht, habe ich einen klitzekleinen halben Punkteabzug zur Hand.

Alles in allem war das Buch sehr gut, die Geschichte flüssig, fesselnd und super geschrieben. Klare Leseempfehlung und ein Lob für die tolle Umsetzung.

 

Auch Vanessa hat dieses Buch gelesen und rezensiert. Lest gerne dort nach, wie ihr Das Flüstern des Teufels gefallen hat.

 

Buchreihe: Redrum Cuts, Band 8

Genre: Psychothriller / Thriller

Verlag: Redrum Books

Erstveröffentlichung: 06. Oktober 2018

Originalsprache: Deutsch

Medium: Taschenbuch

Meine Bewertung:  ★★★★★

Spielt in: Deutschland

 

 

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